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Nürn­ber­ger Si­cher­heits­ta­gung

 

Am 26. und 27. Ju­ni 2014 lu­den un­ter an­de­rem die Fried­rich Nau­mann Stif­tung und die Deut­sche At­lan­ti­sche Ge­sell­schaft zur "Nürn­ber­ger Si­cher­heits­ta­gung 2014" in den Nürn­ber­ger Pres­se­club ein. Das Mot­to "Eu­ro­pa und der Na­he Os­ten" bot Ein­bli­cke in ak­tu­el­le Ge­scheh­nis­se im Na­hen und Mitt­le­ren Os­ten von Sy­ri­en über Ägyp­ten bis zum Iran. Zu­dem bil­de­te der Is­ra­el/Pa­läs­ti­na-Kon­flikt ei­nen Schwer­punkt.

 

Er­öff­net wur­de die Kon­fe­renz durch ei­ne An­spra­che vom Ta­gungs­lei­ter Hil­de­brecht Braun MdB a.D. Im Zu­ge des Auf­takts wur­de die Zu­rück­hal­tung der eu­ro­päi­schen, ins­be­son­de­re deut­schen Au­ßen­po­li­tik in den letz­ten Jah­ren the­ma­ti­siert und für ei­ne ein­heit­li­che, ge­rad­li­ni­ge Po­li­tik im Rah­men der Eu­ro­päi­schen Uni­on plä­diert.

 

Kris­ti­an Bra­kel von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Aus­wär­ti­ge Po­li­tik bot ei­nen in­ter­es­san­ten Ein­blick in die der­zei­ti­ge La­ge der Kur­den, die durch star­ke wirt­schaft­li­che Un­ab­hän­gig­keit und die kom­ple­xe La­ge im Irak, Sy­ri­en und der Tür­kei Aus­sicht auf mehr Au­to­no­mie, viel­leicht so­gar Selbst­be­stim­mung er­lan­gen konn­ten. An­schlie­ßend er­läu­ter­te Prof. Dr. Tho­mas Dem­mel­hu­ber, Ju­ni­or­pro­fes­sor an der Stif­tung Uni­ver­si­tät Hil­des­heim, die Hin­ter­grün­de und Ent­wick­lun­gen des po­li­ti­schen Um­stur­zes in Ägyp­ten und set­ze die­se in ei­nen Kon­text des an­ge­spann­ten Wett­be­werbs zwi­schen ins­be­son­de­re Sau­di-Ara­bi­en und Ka­tar um die re­gio­na­le He­ge­mo­nie im Na­hen Os­ten. Im nächs­ten Vor­trag wur­de die "Ara­bel­li­on" er­neut the­ma­ti­siert. Re­fe­rent war der Nah­ost-Ex­per­te und Aus­lands­kor­re­spon­dent Dr. Mi­cha­el Lü­ders, der ein Bild von durch re­li­giö­se und eth­ni­sche Grup­pen ver­netz­ter ara­bi­scher Staa­ten auf­warf, wel­ches von ei­nem Kon­flikt zwi­schen Schii­ten und Sun­ni­ten ge­prägt ist. Er zeig­te in sei­nen Aus­füh­run­gen ein­drucks­voll, welch (ge­rin­ge) Aus­wir­kun­gen und wel­che un­vor­her­seh­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen (bspw. ISIS) west­li­che In­ter­ven­tio­nen ha­ben kön­nen.

 

Der the­ma­ti­sche Kom­plex wur­de durch Bar­ba­ra Loch­bih­ler MEP, um ei­nen an­spruchs­vol­len Be­richt über die Flücht­lings­si­tua­ti­on in Nord­afri­ka und im Na­hen Os­ten er­wei­tert. In Fo­kus ih­res Vor­tra­ges stand vor Al­lem die feh­len­de Bin­dung der EU-Or­ga­ni­sa­ti­on FRON­TEX an de­mo­kra­ti­sche Kon­troll­me­cha­nis­men so­wie die man­geln­de Flücht­lings­auf­nah­me­be­reit­schaft eu­ro­päi­scher Staa­ten. Den Ab­schluss des Ta­ges bil­de­te ein Re­fe­rat von Dr. Gui­do Stein­berg, wel­ches de­tail­liert die ak­tu­el­le La­ge in Sy­ri­en und de­ren Ent­ste­hung be­schrieb und auch Par­al­le­len zum ak­tu­el­len Vor­marsch der ISIS-Grup­pie­rung zog. Wäh­rend der an­schlie­ßen­den Abend­ga­la un­ter­strich Imam Ben­ja­min Id­riz den für al­le Welt­re­li­gio­nen gel­ten­den Grund­satz, Frie­de un­ter den Men­schen zu sä­en.

 

Der zwei­te Kon­fe­renz­tag wur­de durch ei­ne Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Dr. Eran Ler­man und Prof. Dr. Hel­ga Baum­gar­ten zu dem bri­san­ten The­ma der La­ge in Is­ra­el und Pa­läs­ti­na und dem Frie­dens­pro­zess vor Ort ein­ge­lei­tet. In der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de ein­mal mehr deut­lich, wie viel­schich­tig und fest­ge­fah­ren der Kon­flikt ist und wie emo­tio­nal die De­bat­te sich durch Ver­tre­ter der bei­den Par­tei­en prä­sen­tiert. Nach ei­nem Im­biss folg­te der sehr en­ga­gier­te und per­sön­li­che Vor­trag des ehe­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ters Dr. Klaus Kin­kel zu Eu­ro­pas Auf­ga­ben im Na­hen Os­ten. Er ver­deut­lich­te, dass ein au­ßen­po­li­ti­scher Ein­fluss der EU nur be­grenzt mög­lich ist und selbst die USA in der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on ei­ne In­ter­ven­ti­on scheu­en. Ge­ra­de weil kon­kre­te Hand­lun­gen der in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft stets durch Ve­tos im UN-Si­cher­heits­rat ge­blockt wer­den, sei es nach Kin­kel um­so wich­ti­ger schnellst­mög­lich hu­ma­ni­tä­re Hil­fe, z.B. durch die Er­rich­tung ei­ner Schutz­zo­ne, zu leis­ten. Hier blie­be Deutsch­land bis­her weit hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück und müs­se sich sei­ner in­ter­na­tio­na­len Ver­ant­wor­tung z.B. durch die Auf­nah­me von mehr Flücht­lin­gen stel­len. Ab­ge­schlos­sen wur­de die in­ten­si­ve Ta­gung von ei­nem sehr in­for­ma­ti­ven Bei­trag von Ad­nan Ta­ba­ta­bai über die Rol­le des Irans im Na­hen Os­ten, ei­nem Land, das sich seit der Re­vo­lu­ti­on 1979 in ei­nem stän­di­gen Span­nungs­feld zwi­schen Theo­kra­tie und De­mo­kra­tie be­fin­det und in­nen- so­wie au­ßen­po­li­tisch von Ant­ago­nis­men durch­drun­gen ist. Der Vor­marsch der sun­ni­ti­schen ISIS-Mi­li­zen stellt so­wohl für den Iran als auch für den Wes­ten ei­ne Be­dro­hung dar und bie­tet so­mit ei­ne Ge­le­gen­heit zur An­nä­he­rung bei­der Par­tei­en. In der ab­schlie­ßen­den Be­wer­tung und Zu­sam­men­fas­sung der Ta­gung wur­de deut­lich, wie in­halts­schwer und in­for­ma­ti­ons­ge­la­den die zwei Kon­fe­renz­ta­ge wa­ren, und welch um­fas­sen­des Bild der ak­tu­el­len La­ge im Na­hen Os­ten sie den Teil­neh­mern ver­mit­teln konn­ten. Ei­ne Teil­nah­me an der Nürn­ber­ger Si­cher­heits­ta­gung stellt ei­ne Be­rei­che­rung für je­den Be­su­cher dar, die sich si­cher auch im nächs­ten Jahr loh­nen wird.

 

 

Ka­tha­ri­na Do­leza­lek

Ti­mo­thy Trol­lo­pe

Gre­gor Bur­kart


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